Thursday, November 24, 2005

 

Essay

Funktionalismus
(1)In der Zeit zwischen1920 und 1945 entwickelte sich in der Ethnologie der Funktionalismus. Kurz gesagt ist bedeutet der Funktionalismus, dass man nach der Funktion einer Sache fragt und nicht nach ihrer Geschichte.Der wichtigste Vertreter des Funktionalismus ist Bronislaw Malinowski. Als eines seiner wichtigsten Werke ist „ The Argonauts of the Western Pacific“ zu nennen. Hauptvertreter des Strukturfunktionalismus ist Radcliffe-Brown mit seinem Werk“ The Andaman Islanders“ Trotz ihrer großen Unterschiede in Theorie und Praxis sind beide als Begründer der gegenwartsbezogenen und sozialwissenschaftlichen Kultur und Sozialanthropologie.
Was aber besagt der Funktionalismus in genauerer Ausführung. Malinowski definiert es so: Alle Teile einer Kultur spielen eine Rolle bei den Vorgängen aller anderen Teile, wobei der Mensch diese in seine äußerliche physische und kollektive Umwelt adaptiert. Jeder Feldforscher wird diese Prämissen bestätigen. Denn sie drücken aus, das all diese kulturellen Details, die zuerst unwichtig erscheinen im Zusammenhang mit anderen Termen der lokalen Population. (2)Meiner Meinung nach zeigt sich diese Vorgehensweise sehr gut in Malinowskis Werk „ Die Argonauten des westlichen Pazifik“ In diesem Buch schildert er seine Arbeitsweise, die darin besteht drei Punkte zu beachten.1)Die Organisation eines Stammes und die Anatomie seiner Kultur 2) Die Imponderabilien
des wirklichen Lebens Dies sind Einzelheiten wieder Tagesablauf eines Menschen, seine Körperpflege, die Art der Nahrungsaufnahme, das soziale Leben. Denn diese Dinge sind Teil der realen Substanz des sozialen Gebäudes einer Gemeinschaft. (Malinowski möchte verhindern dass seine Darstellung der Einwohner von Tobriand nur ein „ blutleeres Skelett“ ist) s.41 3) Es muss eine Sammlung von charakteristischen Erzählungen, typischen Äußerungen und magischen Formeln geben, als Dokument der Mentalität der Eingeborenen. Meiner Meinung nach veranschaulichen diese Punkte sehr gut das Einbeziehen aller Bereiche des Lebens, das ja den Funktionalismus ausmacht.
(3)Im Gegensatz dazu war Reginald Radcliffe-Brownvo allem Theoretiker. Sein Verdienst ist es dass sich die Schwerpunkte der anthropologischen Analyse von dem Fragen nach Abstammung und Geschichte zu den Fragen nach Struktur und Verbindungen. verschoben Aber seine systemische Vision war verbunden mit seinem Konzept der Gesellschaft und sein Interesse und sein intellektueller Stil war es die die Analysen viel mehr in eine höhere Stufe der Abstraktion zu pressen als es Malinowski tat. Radcliffe-Browns Methode war es mehr zu dokumentieren. Radcliffe-Browns Feldforschung auf den Andaman Inseln begann um 1906 und dauerte bis 1908. Ursprünglich hatte er die Andaman Inseln nach evolutionistischen Kriterien ausgewählt. Damals wurde angenommen, dass ihre Gesellschaft die primitivste und elementarste Stufe des menschlichen Lebens darstellte. Die Insulaner waren Jäger und Sammler in den tropischen Wäldern und lebten in kleinen Gruppen. Allerdings bestanden Kontakte zu der Siedlung der Europäer. Es scheint, dass Radcliffe-Brown einen signifikanten Teil seiner Forschungen bei Eingeborenen betrieb die bei der europäischen Siedlung herumhingen. Auch machte er sich nicht die Mühe die andamandesische Sprache zu erlernen sondern sammelte seine Informationen über einen Hindi-Sprechenden Dolmetscher. Dadurch steht er im Gegensatz zu Malinowski der immer wieder betonte wie wichtig es sei die Sprache des „Forschungsobjektes“ zu beherrschen und der die Sprache der Einheimischen letztendlich so gut beherrschte dass er in ihr eine Befragung niederschreiben konnte ohne nachdenken zu müssen. Auch erwähnt Malinowski, dass es wichtig sei, dass man im Dorf der Eingeborenen lebe und sich auf keinen Fall in der Kolonialsiedlung niederlassen solle und das Dorf nur besuche.
Die längste Zeit die Radcliffe-Brown durchgehend auf den Andamandinseln verbrachte waren 10 Monate. Nach Beendigung der Forschung und der Aufarbeitung des Materials (Wobei er stark von Emile Durkheim beeinflusst wurde) ging er nach Australien.. Von 1911bis 1912 betrieb er dort Feldstudien. Diese machten es im möglich seine Theorien voll auszuarbeiten.Sein Werk“Three tribes of Western Australia“ veröffentlicht um 1913 wurde der Schlüssel für all seine weiterenWerke überAustralische Organisation welches mit dem meisterhaften „The Social Organisation of Australian Tribes“ (1930-1931) seinen Höhepunkt erreichte.Zehn Jahre nach Radcliffe-Brown wurde auch die „Andamant Islanders“ publiziert Außer reichem ethnographischen Material enthält es in Kapitel fünf und sechs eine Resolution über die neuen Fragen die erschienen als er eine soziologische Perspektive:die Natur der Beziehung zwischen individuell gehaltenen Fragen und kollektivem sozialen Handelns. Auf nur einigen Seiten führt Radcliffe-Brown sein konzeptuales Rahmenwerk ,darüber „ warum die Andamanteser auf eine bestimmte Art und Weise denken und handeln“ In diesem Kapitel hebt Radcliffe-Brown die Prozedur hervor mit der Anthropologen versuchen die Bedeutung von Bräuchen und, die Rolle von Ritualen beim Etablieren kollektiver Gefühle und beim Übertragen dieser über die Generationen und die Funktion von eingeborener Institutionen bei der Reproduktion der Gesellschaft als Ganzes. In seiner berühmten Essaysammlung „ Structure and Function in Primitve Society“ schließlich entwickelte und verbreitete er seine Position und etablierte dabei die Prämissen auf welchen das Werk der britischen Sozialanthropologen der nächsten Generation aufbauen würde.
Was aber waren die Unterschiede zwischen diesen beiden großen Wissenschaftlern. Nun hauptsächlich dass Malinowskis Konzept der Funktion direkter mit der Frage nach den menschlichen Bedürfnissen verbunden war. Diese Verbindung ermöglichte es ihm die Fragen nach Gefühlen und Werten in einer weniger abstrakten Art und Weise als Radcliffe-Brown abzuhandeln.
Meiner Meinung nach hat Malinowski die Bedürfnisse der Feldforschung besser erkannt als Radcliffe Brown. Da er weniger abstrakt ist. Abstraktion hat durchaus ihren Wert wenn es darum geht komplizierte Gedankengänge aufs Papier zu bringen. Doch beim Kontakt mit Menschen aus Fleisch und Blut ist es wichtig die Vielschichtigkeit des anderen zu erkennen. Auch halte ich das Erlernen der Sprache für wesentlich, weil beim Umweg über einen Übersetzer unweigerlich Informationen verloren gehen. Außerdem lassen sich viele Wörter einer Sprache nicht richtig in eine andere Sprache übersetzen. Voll stimme ich der Theorie des Funktionalismus zu, dass alles voneinander abhängt. Ich finde dass es Radcliffe- Browns größter Verdienst ist, dass er die Wichtigkeit von Struktur und Verbindung gegenüber der Abstammung und Geschichte zu erkennen. denn letztendlich sagt die gegenwärtige Situation die ein Forscher vorfindet mehr aus als historische Überlieferung. Auch kann man auf die Gegenwart Einfluss nehmen und auf Vergangenes nicht Vielleicht hatte Malinowski das erkannt, als er in „ Die Argonauten des westlichen Pazifiks“ immer wieder betonte dass die Kultur der Kula betreibenden Stämme sich im Niedergang befand. Ja, dass sogar das Kula ein wenig an Glanz verloren hatte. Trotz allen Bemühens driftet Malinowski immer wieder in den kolonialen Sprachgebrauch ab, wenn er zum Beispiel den „Wilden“ Anstand und Moralgefühl in sexueller Hinsicht abshreibt
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Unterschiede zwischen Malinowski und Radcliffe-Brown vor allem in der Bewertung von Gefühlen und im Grad der Abstraktion liegen. Auch forschten sie an verschiedenen Orten. Malinowskis Schwerpunkt waren die Tobriandinseln wo er sich der Erforschung des Kula widmete, während Radcliffe-Brown die Andamandinseln und Australien erforschte wo er sich besonders mit der Frage nach sozialen Strukturen beschäftigte. Ein weiterer Unterschied war die Gewichtung der Sprache. Was sie aber verband war die Erkenntnis, dass alle Phänomene einer Kultur von einander abhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Doch auch hier trennten sich ihre Wege, denn Radcliffe-Brown betonte die Bedeutung des Kollektivs mehr als Radcliffe-Brown.
Inhaltsverzeichnis:
(1) Barth,2005,One Discipline,Four Ways,Chicago und London, The Chicago Press, S.22 ,Kapitel 3
(2)Malinowski,2001,Argonauten des westlichen Pazifiks,Eschborn,Dietmar Klotz Verlag,S.48,Kapitel IX
(3)Barth,2005,OneDiscipline,Four Ways,Chicagound London,TheChicago Press,S.22-24,Kapitel3

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